"Ich wünsche mir, dass alle Flüchtlinge herzlich aufgenommen werden"
22.10.2015

"Ich wünsche mir, dass alle Flüchtlinge herzlich aufgenommen werden"

mundus-Freiwillige Fredrike Flake berührt mit "Zuhause"-Video

Mit diesem Erfolg hatte Frederike Flake nicht gerechnet. Die 18-Jährige aus Steinheim leistet derzeit in Sambia für den mundus Eine Welt e.V. einen Freiwilligendienst in einem Projekt der Katholischen Landjugendbewegung (KJLB) in Kasama. In ihrem „Deutsch-Club“ studiert sie mit den jungen Schülern das Lied „Zuhause“ von Adel Tawil ein – als Gruß an ihre Freunde und als Botschaft in der Flüchtlingskrise. Dann teilt sogar Sänger Adel Tawil das Video bei Facebook und führt es zu über 40.000 Aufrufen. Adel Tawil schreibt: „Uns kamen vor Stolz und ganz ganz großer Bewunderung die Tränen! Danke! Bitte schaut Euch dieses bezaubernde Video an!“ Über den Erfolg des Videos und den Freiwilligendienst sprach JUPA-Redakteur Dirk Lankowski mit Fredrike Flake.

  • Wie geht es dir gerade?

Ich befinde mich hier in Sambia immer noch in der Einlebungsphase. Alles ist anders, neu und auch fremd. Natürlich ist es nicht immer einfach mit all den neuen Situationen und Momenten um zu gehen. Aber ich habe bereits in den zwei Monaten, in denen ich nun hier bin, so viele neue und wertvolle Erfahrungen gesammelt - die bleiben ein Leben lang.

  • „Zuhause ist da wo deine Freunde sind“ singt Adel Tawil in dem Lied, dass du mit jungen Sambiern gecovert hast. Ist das ein Gruß an deine Freunde oder wie ist es dazu gekommen?

Zunächst einmal wollte ich einfach ein kreatives und fröhliches Projekt mit den Kids starten, um für sie das Deutsch lernen leichter zu machen, als einfach nur stumpfes Auswendiglernen von Vokabeln. Als ich genauer über die Wahl des Liedes nachgedacht habe, kam mir sofort die aktuelle Flüchtlingssituation in der Welt und besonders auch in Deutschland in den Sinn. Ich wünsche mir, dass alle Flüchtlinge herzlich aufgenommen werden und vor allem, dass sie sich zuhause fühlen. Und wichtig ist dabei, dass jeder die richtigen Menschen um sich hat. Denn nur mit den Menschen die einem wichtig sind, kann man sich an einem neuen Ort, in einer Situation in der sich die Flüchtlinge befinden, wirklich zuhause fühlen. Für mich persönlich bedeutet dies aber auch ein Gruß an meine Liebsten Zuhause.

  • Das Video erlebt gerade einen kleinen Hype auf Facebook mit über 40.000 Aufrufen. Wie hast du das wahrgenommen?

Ich bin einfach nur baff, was den Hype um mein Video angeht. So eine Anzahl von Leuten, die es sich ansehen, kommentieren oder gar weiter vertreiben, hätte ich mir nicht erträumen lassen. Es freut mich total und ich bin sehr gerührt, vor allem von den ganzen lieben Kommentaren von Menschen, denen ich noch nie begegnet bin, welche mir einfach sagen wollen, wie toll das Projekt ist.

  • Sogar Adel Tawil hat das Video geteilt….

Ja, das hat mich am meisten gefreut und überrascht, dass Adel Tawil das Video gesehen und mit einem herzlichen Kommentar weiter verbreitet hat. Durch ihn hat das Video nun noch viel mehr Leute erreicht. Ich bin eigentlich sprachlos.

  • Was sagen denn die jungen Sängerinnen und Sänger dazu?

Als ich meinem Deutsch-Club heute berichtet habe, wie viele Leute in Deutschland das Video innerhalb von drei Tagen gesehen haben, waren auch sie sprachlos. Sie haben sich total gefreut. Für sie war das ganze Projekt sowieso sehr aufregend und ein guter Ausgleich zum Alltag zuhause und in der Schule. Für viele von ihnen war es sogar der erste Ausflug zu den nah gelegenen Wasserfällen, wo wir das Video aufgenommen haben. Und besonders gefreut hat es sie, als sie sich, auch für viele das erste Mal, selber auf dem Bildschirm sehen und hören konnten.

  • Was ist denn dieser Deutsch-Club?

Der Deutsch-Club ist eine AG, welche jeden Mittwoch stattfindet. Hier an meiner Schule gibt es ganz verschiedene Clubs wie zum Beispiel Tanz, Poetry oder Schach.

  • Wie geht es denn musikalisch weiter? Jetzt wo ihr so erfolgreich seid…

Der Wunsch ein neues Projekt und Lied zu starten ist da. Natürlich auf der Seite der Kinder, auf meiner Seite und aber auch auf der Seite der Schule, welche mich sehr unterstützt und mir viel Freiraum gibt für Eigeninitiative. Wir werden sehen, was in Zukunft noch kommt.

  • Warum bist du überhaupt in Sambia und engagierst dich in der Schule?

Ich wollte immer schon nach der Schule für ein Jahr ins Ausland, und auf keinen Fall direkt studieren gehen. Irgendwann bin ich dann auf den Freiwilligendienst „weltwärts“ aufmerksam geworden und habe mich sehr viel erkundigt. Ich erkannte es als gewinnbringend und am sinnvollsten, einen Freiwilligendienst zu machen, auf Grund so vieler verschiedener Möglichkeiten, die es mit sich bringt.

  • Was machst du konkret vor Ort?

Vor Ort bin ich in der Fountain School, dies ist eine Grundschule von der Baby Class bis zur 7. Klasse. Hier helfe ich beim Computer-Unterricht und natürlich in der Deutsch-AG.

  • Wie erlebst du das Land und die Menschen?

Anders. Es gibt so viele Unterscheide in grundlegenden Sachen aber auch in Details. Es ist schwer das in Worte zu fassen. Die Menschen haben andere Prioritäten und Geschichten, weil sie einfach andere Möglichkeiten vor Ort haben. Natürlich merkt man, dass Sambia ein Entwicklungsland ist, weil es schon sehr ärmlich ist. Aber insgesamt ist es sehr viel fröhlicher und bunter als man es auch Deutschland kennt und die Menschen sind sehr offen und herzlich.

  • Viele Dank für das Gespräch und das tolle Video.


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