Im Standesamt
28.11.2017

Liebe

Auf dem Weg zur Trauung

So verschieden wir Menschen sind, so unterschiedlich gehen wir die großen Schritte in unserem Leben

Von Carolin Schnückel

„Wir haben uns verlobt!!!“ Die Reaktionen nach diesen Worten sind einfach wunderbar. Familie und Freunde freuen sich riesig mit euch, der Verlobungsring wird mit Aaaahs und Ooooohs begutachtet, ihr werdet über die Details zum Antrag ausgequetscht („Jetzt erzählt erstmal RICHTIG!“) und strahlt selber – vielleicht noch etwas ungläubig – über beide Ohren. Dieser Schritt auf dem Beziehungsweg ist auch einfach etwas unglaublich Schönes und Großartiges: Ihr sagt JA zueinander und zu einem gemeinsamen Leben. Ihr bezeugt eure Liebe vor euren Eltern, Großeltern, Geschwistern, besten Freunden – und bei der kirchlichen Trauung auch vor Gott.

Nachdem der große Höhenflug mit Freudentränen und Korkenknallen langsam abgeebbt war, schlichen sich bei mir die Ängste ein.

Die Verlobung von mir und meinem Mann ist mittlerweile über drei Jahre her. Im Portugalurlaub hat er mich gefragt. Ich hab gelacht und geweint und ihm „Ja“ ins Ohr geflüstert und konnte kaum abwarten, dass ich zuhause allen die große Neuigkeit verkünden kann. Nachdem der große Höhenflug mit Freudentränen und Korkenknallen langsam abgeebbt war, schlichen sich bei mir die Ängste ein. Nicht, weil ich mir ein gemeinsames Leben plötzlich nicht mehr vorstellen konnte. Nein, wegen der Erwartungen an die Hochzeitsfeier.

Egal, wo die Leute sitzen. Hauptsache, die Tanzfläche ist klar.
Egal, wo die Leute sitzen. Hauptsache, die Tanzfläche ist klar.
So ein eigenes Wein-Mischgetränk muss natürlich gut verkostet werden.
So ein eigenes Wein-Mischgetränk muss natürlich gut verkostet werden.
Obwohl uns niemand zu irgendetwas gedrängt hat, unsere Eltern nicht auf irgendwelche Familientraditionen bestanden, keiner uns in die Planung reinquatschen wollte – plötzlich habe ich bei jedem Gedanken an unseren großen Tag nur unzufriedene Gästegesichter vor mir gesehen. Um den Druck aus der ganzen Sache rauszunehmen, haben wir uns gesagt, dass wir ja auch gar nicht im nächsten Jahr heiraten müssten. Daraufhin haben wir ein halbes Jahr auch kaum über weitere Planungen gesprochen.

»Wir sind echt bekloppt, was wir für diesen einen Abend alles organisieren.«


Im Frühjahr kam dann ganz leise meine Begeisterung wieder und plötzlich sprudelten die kreativen Ideen für die Feier nur so aus mir heraus. Das folgende halbe Jahr war eine wunderbare Zeit. Jeden Tag haben wir irgendetwas für die Hochzeit vorbereitet: die Einladungen gestaltet, die Tischdeko überlegt, eine Fotoecke geplant, auf jedem Schützenfest tanzen geübt, ein individuelles Gästebuch drucken lassen, sogar ein eigenes Wein-Getränk haben wir mit Hilfe unseres Trauzeugen gebraut, Etiketten gestaltet und in Flaschen abgefüllt. Von meinem damaligen Arbeitgeber – einem Pfadfinderverband – habe ich mir eine Jurte ausgeliehen, in der sich die Gäste Stockbrot machen konnten.

Oft haben wir beim Planen innegehalten und gesagt: „Wir sind echt bekloppt, was wir für diesen einen Abend alles organisieren.“ Aber genau das war dann einfach unser Weg, unser gemeinsames Projekt, unser großer Anlauf für den Sprung ins Eheleben. All die Überlegungen und Entwürfe – von Ideen zum Sitzplan bis zur ultimativen Playlist für den DJ – sind von Anfang an in eine stoffbezogene Kladde geflossen. Dieses überquellende Buch ist eine tolle Erinnerung an die aufregende und wunderbare Verlobungszeit.

Was ich damit sagen will: Jedes Paar – und jede Einzelperson – hat seine bzw. ihre ganz eigene Art, die Hochzeitsfeier vorzubereiten. Es gibt kein Richtig und Falsch, keinen absoluten Zeitpunkt für einen Planungsschritt.

Kurz vorm großen Moment
Kurz vorm großen Moment
Die Planungskladde ist nach der Hochzeit eine schöne Erinnerung.
Die Planungskladde ist nach der Hochzeit eine schöne Erinnerung.

Macht euch immer wieder bewusst, dass es kein MUSS gibt – und erst recht kein PERFEKT.

Kurz vorm Hochzeitstanz: Reichen die Schützenfest-Übungseinheiten?
Kurz vorm Hochzeitstanz: Reichen die Schützenfest-Übungseinheiten?

  Lasst euch bloß nicht von irgendwelchen Zeitplänen auf Hochzeitsblogs
verrückt machen.

Natürlich macht es Sinn, die Kirche, die Partylocation und den Caterer an den Anfang der Planung zu stellen. Aber lasst euch bloß nicht von irgendwelchen Zeitplänen auf Hochzeitsblogs verrückt machen, wenn ihr bei einem Punkt „spät dran“ seid.

Schnell kann es auch passieren, dass man so im Hochzeitsfieber ist, dass man sich viel zu viel vornimmt und dann enttäuscht ist, wenn die Candybar oder die Hüpfburg zeitlich oder finanziell doch nicht mehr drin ist. Ich hab mir während der gesamten Planung immer wieder diese Frage gestellt: „Wenn ich später über die Hochzeit rede, werde ich dann sagen: Es war ein schönes Fest, aber dass wir keine handgeschriebenen Tischkarten hatten, hat’s mir im Nachhinein echt verdorben.“ Sehr viele solcher Fragen konnte ich frühzeitig und leicht mit „Nein“ beantworten, wodurch ich mir selbst sicherlich einigen Stress und Enttäuschungen erspart habe.

Ganz egal, wie euer Weg zur Trauung aussehen wird – ob kurvenreich, mit bergigen Abschnitten oder ganz geradlinig: Macht euch einfach immer wieder bewusst, dass es kein MUSS gibt – und erst recht kein PERFEKT. Denn genau so, wie euer Weg sich gestaltet, passt er eben zu genau euch.

Und wenn euch mal alles über den Kopf wächst oder ihr kalte Füße vor dem großen Schritt bekommt, dann tragt das nicht alleine mit euch rum. Bindet eure Familie ein, lasst euch in der Vorbereitung helfen, fragt einen guten Freund, wie es ihm vor seiner Hochzeit ging. Oder ihr sprecht ein Gebet und lasst euch auf diese Weise von demjenigen den Rücken stärken, der garantiert immer für euch da ist.

Ihr könnt auch einfach mal die Kirche besuchen, in der ihr euch das Ja-Wort geben möchtet. Setzt euch still in die erste Bank und stellt euch vor, welcher Freudentaumel euch an diesem Ort bevorsteht. Und seid euch sicher: Wenn es soweit ist und ihr noch ein Stückchen weiter vorne sitzt – direkt vor dem Altar –, dann ist es ganz egal, wie viele Kurven und Hügel der Weg bis hierher hatte. Denn jeden Schritt, den ihr von diesem Tag an gemeinsam geht, wird auch Gott mitgehen. Und dieses Gefühl ist einfach überirdisch.

Mix

Mit der Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen