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"Du musst immer an dich glauben"

Interview mit Fußballprofi Bernard Tekpetey

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Von Till Kupitz

In der zweiten Fußball-Bundesliga ist er in diesem Jahr einer der Shooting-Stars: Bernard Tekpetey vom SC Paderborn 07 spielt eine fantastische Saison und scheint in Paderborn eine neue Heimat gefunden zu haben. Der gebürtige Ghanaer spielt seit einigen Jahren in Europa Fußball, hatte dabei aber mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. YOUPAX hat mit Tekpetey über seinen Wechsel, das Teamgefühl und die Integration im Fußball gesprochen.

YOUPAX: Bernard, du bist mit 16 Jahren alleine aus Ghana nach Europa gekommen. Wie war das für Dich?

Bernard Tekpetey: Es war ganz und gar nicht einfach. Du kennst niemanden und verstehst die Sprache nicht. Als ich mit der Mannschaft auf Schalke trainiert habe, haben viele Mitspieler mich gar nicht verstanden. Ich musste also einen Kollegen als eine Art Übersetzer haben. Auch das deutsche Essen kannte ich so gar nicht, in Ghana essen wir ganz andere Sachen. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Ich musste ruhig bleiben in Anbetracht der vielen Schwierigkeiten. Ich war alleine, ich habe gelitten und wusste nicht, was ich nach dem Training machen soll.

Deine Familie hast du in Ghana zurückgelassen: Was haben sie dir da gesagt?

Natürlich habe ich oft zuhause angerufen und war verzweifelt: "Ich weiß nicht, was ich tun soll." Meine Mutter hat mir aber Mut zugesprochen, ich solle ruhig bleiben. Am Anfang sei alles immer schwierig, aber dann wird es irgendwann gut.

Bernard Tekpetey kannte anfangs niemanden und war alleine.

»Als ich hier herkam, war ich natürlich noch nicht so integriert. Ich saß in der Kabine. Alleine. Ich kannte noch niemanden.«

BERNARD TEKPETEY
über seine Anfangszeit

Hast du dich schnell an das Wetter hier gewöhnt? Oder was dachtest du, als du ankamst?

(lacht) Ich kam hierher, als es Winter war und habe nur gefragt: Was ist das für ein Wetter? Ich habe meine Mutter angerufen und ihr davon erzählt. Ich sagte: "Mama, wenn so ein Wetter in Ghana wäre, das würden die Leute nicht überleben. Ich mache dir ein Video davon, damit du den Schnee siehst." So ein Wetter kennen wir einfach gar nicht.

Es klingt so, als würde deine Mutter dir sehr nahe stehen und hätte einen großen Einfluss auf dich.

Das stimmt. Meine Mutter hat auch eine leitende Position in der Kirche. Sie wollte nicht, dass ich Fußball spiele, weil ich auch das Zeug dazu habe, Doktor zu werden. Sie hat mir immer gesagt: Geh zur Schule und werde Doktor. Ich habe dann immer entgegnet: "Nein Mama, ich möchte später Fußball spielen." Meine Mutter meinte dann: "Nur wenn du Fußball mit Gott spielst, erlaube ich es dir." Das habe ich ihr dann auch versprochen.

Bernard Tekpetey ist 21 Jahre alt und Fußballprofi. Er kommt ursprünglich aus Ghana und spielt derzeit für den SC Paderborn 07. Außerdem läuft er in Länderspielen für die Nationalmannschaft seines Heimatlandes auf.

Seine bisherige Karriere:
bis 02/2016: UniStar Soccer Academy (Ghana)

02/2016 - 08/2017: FC Schalke 04

08/2017 - 12/2017: ausgeliehen zu SCR Altach (Österreich)

01/2018 - 07/2018: FC Schalke 04

seit 07/2018: SC Paderborn 07

Nach deiner Zeit beim FC Schalke 04 hast du nun deine fußballerische Heimat beim SC Paderborn 07 gefunden. Wie findest du den Klub und die Region?

Es ist ein sehr familiärer Klub. Es ist nicht so wahnsinnig groß, aber wir halten immer und überall zusammen, auch in der Stadt merkt man das. Das Team ist für mich wie eine Familie.

Wie ist das, wenn man neu in eine Fußballmannschaft kommt? Findet man sich schnell zurecht?

Als ich hier herkam, war ich natürlich noch nicht so integriert. Ich saß in der Kabine. Alleine. Ich kannte noch niemanden. Ich wollte natürlich eine Verbindung zu den anderen aufbauen, blieb die erste Woche aber erstmal zurückhaltend und sah mir an, wie sich alle verhalten. Dann habe ich erkannt, wer was mag, bei wem ich was vielleicht besser nicht machen sollte. Eine Woche vor Ligastart hatte ich dann erste Freundschaften geschlossen.

Bernard Tekpetey (l.) und seine Teamkollegen haben viel Spaß beim Training.

Kein Teamgeist = keine Siege

Also ergeben sich mit den Teamkameraden auch richtige Freundschaften?

Ja klar, es gibt ziemlich gute Freundschaften im Fußball, wenn du zu einem Team dazugehörst und akzeptiert wirst. Für mich ist das wie eine Familie. Wenn du etwas brauchst oder dir jemanden helfen soll, dann rufst du deine Teamkollegen an. Für mich persönlich ist alles hier sehr freundschaftlich, wir stehen eng zusammen.

Freundschaften im Fußball.
Volle Konzentration bei der Torschuss-Übung.

Unternehmt ihr auch außerhalb des Trainings mal was miteinander?

Es ist sehr wichtig, auch mal in der Freizeit mit dem Team zusammenzusitzen, Zeit zu verbringen und vielleicht nochmal über das letzte Spiel oder andere Dinge zu sprechen. Das ist oft sehr sinnvoll, um den Teamgeist zu stärken.
Würde ich nichts mit meinen Teamkollegen unternehmen und oft zuhause alleine rumsitzen, wäre das wirklich langweilig. Ich erinnere mich noch an meine Anfangszeit, als ein paar Mitspieler bei mir anriefen, um zu fragen, was ich denn so mache. Ich erzählte ihnen, dass ich gerade ein Fußballspiel im TV schaue. Sie sagten dann: "Nach dem Spiel unternehmen wir was, gehen in die Stadt, okay?" Das fand ich echt super nett. So haben sie mir viel Zuneigung gezeigt und echt geholfen.

Oft wird ja gesagt: Teamgeist ist der Schlüssel zum Erfolg.

Das ist auf jeden Fall so. Wenn wir keinen Teamgeist haben, verlieren wir jedes Spiel. Alleine jeder für sich ist manchmal vielleicht etwas negativ. Aber im Team bleiben wir immer uns positiv und können Erfolg haben.

Wie erkennt man denn von außen, dass bei euch der Teamgeist stimmt?

Das kann man als Zuschauer schon sehen, wenn man ein Spiel mal beobachtet. Wenn einer den Ball verliert oder einen schlechten Pass spielt, sagt er zum Beispiel sorry. Das sagt viel darüber aus, wie nah wie einander stehen. Ein Spieler entschuldigt sich nämlich bei einem Freund. Nächstes Mal klappt es dann besser.

Selbstvertrauen als Grundstein für Erfolg

Die Nächstenliebe ist ja auch etwas Christliches, das da zum Vorschein kommt.

In der Bibel steht: Du sollst deinen Nächsten wie dich selbst lieben. Und du musst auch Gott wie dich selbst lieben. Wenn du deinen Bruder, deinen Freund, wie dich selbst liebst, das ist Teamspirit. Deshalb sage ich, dass Gott ein Teil von uns ist. Wenn wir uns lieben, werden wir erfolgreich sein.

Auch Vertrauen in sich selbst und seine Stärken zu haben, ist wichtig im Fußball, oder?

Selbstbewusstsein ist unheimlich wichtig. Wenn du nicht an dich selbst glaubst, verlierst du das Vertrauen in dich und deine Stärken. Dann wirst du nichts schaffen. Du musst immer an dich glauben. Außerdem brauchst du einen Trainer, der dich richtig motivieren kann, so wie hier in Paderborn. Der dir auch nach Fehlern sagt: "Mach weiter so, das nächste Mal klappt es."

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