Auf eine Limo mit ...
08.08.2016

Auf eine Limo mit ...

... Marvin Büscher

Erfrischung gefällig? Dieser Sommer ist spritzig. Denn wir geben einen aus. In den Sommerwochen trifft JUPA junge Menschen aus dem Erzbistum, die etwas zu erzählen haben. Der Treffpunkt wechselt, aber es gibt immer einen Drink dazu. Diese Woche: Auf eine Limo mit... Marvin Büscher.

Von Tobias Schulte

Einen kurzen aber steilen Anstieg fahre ich von der Bundesstraße 233 hoch zum Elternhaus von Marvin Büscher. In Langschede begrüßt mich der 21-Jährige. Marvin trägt eine Jeans und ein weißes Hemd. Ein Kreuz baumelt auf seiner Brust. Bänder des Weltjugendtags, von YOUNG MISSION und Nightfever hat er um seine Handgelenke gebunden. Marvin achtet darauf, sich gut zu kleiden. Sein Glauben gehört für ihn dazu.

Die Fassbrause habe ich im Gepäck, Marvin lädt mich in den Garten seines Elternhauses in Langschede bei Fröndenberg ein. Mit einem Feuerzeug öffnet Marvin die Flaschen. Plopp. „Ist es okay, wenn ich mir eine rauche?“, fragt er. Kein Thema. Unterhalten müssen wir uns etwas lauter, denn direkt neben dem Garten fahren ab und zu Lkws und Autokolonnen auf der Bundesstraße vorbei. „Da hab ich mich dran gewöhnt", sagt Marvin, "Langschede ist nicht das schönste Dorf. Aber es ist meine Heimat“.

Marvin Büscher stößt gern mal an. Auch mit mit JUPA. Er ist gern gesellig. Fotos: Tobias Schulte

In dem Haus wohnt er gemeinsam mit seinen Eltern, zwei Schwestern und der Oma. Hier fühlt er sich wohl. „Mit Kirche und Schützenwesen bin ich aufgewachsen“, fängt Marvin an über sich zu erzählen. Die Dorfkirche hat er sogar fast im Garten stehen. Trotzdem brauchte er nach elf Jahren Messdienerdienst in Langeschede Abstand von der Kirche.

„Jung, modern und mit guter Musik“ – so stellt er sich Kirche vor. Während seines Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) im Jugendhaus Hardehausen wurden diese Vorstellungen erfüllt. Unter der Woche hat er dort gearbeitet und gewohnt. Dort hat er seine Glaubenskrise überwunden, weil er spürt, wie die Kirche gerade für Jugendliche ein Rückzugsort sein kann. „Mein Glaube hat mittlerweile einen großen Stellenwert. Er gibt mir Kraft, Ruhe und das Gebet, um abzuschalten. In der Kirche kann ich ich selber werden“, sagt Marvin überzeugt.

Das Jahr des FSJ ist für ihn fast um. Die Arbeitstage kann Marvin noch an einer Hand abzählen. Genauso wie die Tage bis zur „fünften Jahreszeit“ in Langschede – dem Schützenfest. „Die ersten grün-weißen Wimpel und Fahnen hängen schon“ sagt er mit einem Funkeln in den Augen. „Das Schützenwesen macht mir Spaß. Es geht um Tradition – und nicht vorrangig ums Saufen“, stellt Marvin klar. „Ein Bierchen“ zu trinken gehöre für ihn dann zur Geselligkeit.

Parallelen zwischen Kirche und Schützenverein sieht Marvin durchaus. Jeder habe in der Gemeinschaft dasselbe Ziel. Es gehe auch darum, andere Menschen und Traditionen kennenzulernen. Und für ihn persönlich bedeutet beides Freude und Hingabe.

Marvin Schütze

Denn wenn Marvin etwas macht, dann richtig. Er will gestalten, etwas voranbringen. Im Schützenverein Langschede-Ruhr war Marvin lange Zeit Kompanieführer der Jungschützen. Mit vier Mitgliedern hat er begonnen – mit 23 Aktiven hat er den Posten weitergegeben. Marvin hat die Jungschützen wieder zum Leben erweckt. Und da sich rumspricht, wenn jemand so etwas leistet, wurde Marvin in diesem Jahr zum Bundesjugendsprecher des Dachverbands, dem Sauerländer Schützenbund mit rund 170.000 Schützen, gewählt. Von seinen Aufgaben erzählt Marvin mit einer überzeugenden Selbstverständlichkeit. „Ohne Ehrenamt geht heutzutage nichts mehr. Das sieht man ja auch an der Flüchtlingskrise."

Während des Gesprächs kommt der Familienkater vorbei. Er reibt sich an der Sitzgarnitur, läuft unter den Stühlen und Bänken her. „Whiskey“ ruft Marvin. Ich schaue verdutzt. „Heißt der Kater so?“, frage ich Marvin. „Ja klar“ sagt er und lacht. Bei der Namensgebung hatte Papa Büscher „Schnaps“ als Name vorgeschlagen. „Dann doch eher Whiskey“, hatte Marvin eingeworfen. Auf diese Schnapsidee haben sie sich geeinigt.

Horst Schlämmer alias Marvin Büscher

Eine andere Schnapsidee von Marvin war, Horst Schlämmer zu imitieren. Nach und nach, hat er sich dazu die schiefen Zähne, Klamotten und Aussprache des Charakters von Harpe Kerkeling zugelegt. Auf Feiern, Geburtstagen oder Hochzeiten wird die „Rampensau“ Marvin - wie er sich selber nennt - jetzt gebucht. Vor 3.000 Menschen ist er schon aufgetreten. Mir spontan was im Garten vorspielen möchte er aber nicht. „Das geht nur, wenn ich umgezogen, geschminkt bin und mir den Bart angeklebt habe. Dann kann ich komplett ausschalten und Sprüche machen, die ich mich sonst nicht trauen würde “, sagt Marvin. Schade.

Um von der Rolle und seinem Alltag Abstand zu gewinnen, hilft Marvin vor allem sein Glaube. Einmal pro Woche versucht er, in die Kirche zu gehen. Meistens in Holzwickede. Um das sonntagmorgens zu schaffen, geht er manchmal früher von einer Party. Das sagt Marvin seinen Freunden ganz offen. „Ich fühle mich wohl im Glauben, warum sollte ich mich dann dafür schämen?“

Nach dem einjährigen FSJ in Hardehausen hat Marvin das Fachabitur geschafft. Ab September wird er Religionspädagogik in Paderborn studieren, um Gemeindereferent werden. „Ich glaube, dass die Kirche vielen Menschen helfen kann und das möchte ich auch tun. Denn eine Gesellschaft ist immer nur so stark, wie das schwächste Glied."

Mix

Mit der Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen