Tattoo

Body + Soul

  Glaube, der unter die Haut geht

Jeder vierte Erwachsene in Deutschland hat ein oder mehrere Tattoos. Auch Dominik Mutschler (27) und Joana Drießen (26) sind tätowiert. Beide haben Religionspädagogik in Paderborn studiert und sprechen mit YOUPAX über ihre Beweggründe.

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Interview: Benedikt Hebbecker
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Fotos: Karsten Schwenzfeier
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Text: Laura Konieczny

Dominik hat insgesamt 5 große Tattoos, Joana nur ein einziges, kleines. „Mein erstes Tattoo, „die betenden Hände“ von Dürer und einen Rosenkranz habe ich mit 17 machen lassen. Damals war ich zwar gläubig, das Tattoo hatte aber nicht wirklich was mit meinem Glauben zu tun, sondern war einfach cool”, erinnert sich Dominik.

Später im Studium kamen dann nach und nach weitere hinzu. Heute sind fünf Projekte auf seinem Oberkörper abgebildet: Auf dem rechten Arm der Markus-Löwen. (Symbol des Evangelisten Markus), sowie die Schrift: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ aus dem Lukasevangelium. Dann das Papstwappen von Johannes XXIII., „weil er als Konzilspapst für mich eine ganz besondere Rolle spielt.“

Auf dem Oberkörper trägt er den Schriftzug „Effatta!“ Öffne dich. Es ist in altgriechischer Schrift geschrieben, dessen Übersetzung er sich von seiner Exegese-Dozentin bestätigen ließ. Zwei weitere Motive sind: Der Ichtys als Zeichen für Wasser, Leben, Bewegung) und ein Schriftzeichen aus der Islamwissenschaft, das den Pädagogen sehr faszinierte, nämlich das arabische Wort für Jesus, was dort übersetzt „Wort Gottes“ heißt.

Joana ließ sich ihr erstes Tattoo vor 3 Jahren stechen: „Meine Schwester hatte schon eins undich fand es cool. Mir war von Anfang an klar: Wenn ja, dann das. Nämlich die drei Worte ‚Glaube Hoffnung Liebe.’“ Die 3 Worte stehen auf ihrem rechten Fuß. Den Fuß wählte sie unter anderem darum weil man das Tattoo nicht sofort sehen soll: „Ich habe lange überlegt, ob ich auch die entsprechende Abkürzung der Bibelstelle dazu schreibe, habe mich dann aber nur für die drei Worte entschieden.“

Joana
Joana
Joanas Tattoo ziert ihren rechten Fuß
Joanas Tattoo ziert ihren rechten Fuß
Dominiks Tattoos stechen hervor
Dominiks Tattoos stechen hervor

»Mit dem tätowierten Schriftzug „Glaube, Hoffnung, Liebe“ möchte ich meiner Überzeugung Ausdruck verleihen.«

JOANA (26)
Religionspädagogin

In den Tattoo-Motiven von Dominik und Joana steckt viel ihrer Persönlichkeiten. Sie sind ein Statement zu ihren Überzeugungen: „Glaube, Hoffnung und Liebe sind drei Dinge, die mich durch mein Leben getragen haben und die mich auch in Zukunft tragen werden. Dort stehe ich drauf – daher auch der Fuß“, erklärt Joana. Lange habe sie überlegt und ausprobiert, wie die Schrift auf dem Fuß aussehen soll und sich schließlich für ihre eigene Handschrift entschieden. Obwohl bereits Dominiks erstes Tattoo einen Bezug zu seinem Glauben herstellt, entschied er sich erst ab dem zweiten ganz bewusst für die christlichen Motive. Er meint: „Ich war reifer geworden.“ Der Glaube biete ihm eine vielfältige Bildsprache, um sich auch durch sein äußeres Auftreten auszudrücken: „Mir ist wichtig, wie ich auf andere wirke. Durch die Tätowierung wird sicherlich meine extrovertierte Seite auch deutlich. Tattoos sind für mich absolut ästhetisch.“

Stichwort Außenwirkung: Welche Reaktionen auf ihre Tätowierungen haben Dominik und Joana bereits erlebt? „Als das 2. oder 3. Tattoo kam, waren die ersten Reaktionen: ‚Er übertreibt!’ oder ‚das ist doch mega teuer!“, erinnert sich Dominik mit einem Grinsen im Gesicht. Zu den Motiven erlebe sehr viel positive Reaktionen: „Viele finden sie einfach cool.“

Bevor er sich das große Tattoo auf dem Arm stechen ließ, holte er sich gar das Okay des Personalchefs ein und fragte, ob das für ihn als zukünftigen Gemeindereferenten akzeptiert sei. Die Reaktion auf seine Anfrage vor positiv: Insofern die Symbolik der Tattoos nicht der christlichen Lehre wiederspricht, sieht das Erzbistum als Arbeitgeber keine Diensthindernisse in sichtbaren Tätowierungen. In Dominiks Augen hat sein Körperschmuck einen spannenden Nebeneffekt: „Man nimmt mich oft nicht sofort als jemand aus Kirche wahr. Aber gerade dadurch komme ich mit Menschen in Kontakt, mit denen wir in Kirche oft wenig zu tun haben.“

Im Gegensatz zu Dominik machte Joana anfangs weniger positive Erfahrungen mit ihrem neuen Tattoo: „Aus meiner Verwandschaft war ich nicht die erste mit einem Tattoo. Aber mein Opa war trotzdem richtig stinkig.

 Er meinte: ‚Nur Knastis lassen sich das stechen!’.“ Doch aus dieser Reaktion ihres Opas sei eine Diskussion geworden: „Warum habe ich das machen lassen? Was steckt dahinter? Glaube, Hoffnung und Liebe haben und werden mich tragen. Keiner kann ohne Liebe leben, keiner kann ohne Hoffnung leben, keiner kann ohne Glaube (erstmal egal woran) leben. Alle drei sind für mich unsterblich.“

Da sie voll und ganz hinter der Bedeutung ihrer Tattoos stehen, haben weder Joana noch Dominik ihren Körperschmuck bisher bereut. „Viele sagen ja: ‚wenn du alt bist, sehen Tattoos scheiße aus’“, so Dominik. Doch für ihn sei jeden Tattoo eine Momentaufnahme einer Phase seines Lebens, die etwas zu seiner Identität beigetragen hat: „Da ist es mir egal, ob das später etwas schrumpelig aussieht.“

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